Der Formel-1-Fahrer, seine Gärtnerin und eine Freundschaft plus

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Poleposition für die Liebe (Racing Love-Reihe Teil 1)

 

Racing Love – die Serie mit Herz und Happy-End!

Frederick – Formel-1-Fahrer und selbstbewusster Herzensbrecher – ist nichts wichtiger, als Erfolg und seine Wirkung nach außen. Seine Gärtnerin Ava hasst es, wenn sie aufgrund ihrer sportlichen Art für jünger geschätzt wird, als sie in Wirklichkeit ist. Obwohl das erste Zusammentreffen der beiden mehr als unglücklich verläuft, freunden sie sich an. Frederick mag Avas Natürlichkeit. Ava verliebt sich in Fredericks Charme. Aber kann zusammenfinden, was sich nicht gesucht hat und allem Anschein nach auch nicht zusammenpasst?

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Leseprobe:

  1. Kapitel

Mittwoch, 5. April 2017

Kein anderer Mann dieser Welt wäre davon genervt, neben dem Topmodel Evangelina Eristof aufzuwachen. Frederick allerdings wünschte sich, er wäre sie gestern Abend noch losgeworden. Hastig schloss er die Augen wieder, als würde sie dann genauso verschwinden wie das unwillkommene Sonnenlicht.

„Guten Morgen“, gurrte sie, während sie sich an ihn schmiegte.

„Morgen.“ Er rollte sich zur Seite und setzte sich auf. „Du kannst noch schnell duschen, aber dann musst du leider gehen. Die Arbeit wartet.“

Sie kicherte. „Ich habe vor, dich unter der Dusche auch ein wenig arbeiten zu lassen.“

„Ein verlockendes Angebot, das ich aber ablehnen muss.“ Er wich ihrem Blick aus. Anhänglichkeit war etwas, mit dem er schlecht umgehen konnte. „Ich kümmere mich in der Zwischenzeit um das Frühstück.“

Nur in Boxershorts flüchtete er aus seinem Schlafzimmer und schaltete in der Küche den Kaffeeautomaten ein. Er öffnete den Kühlschrank und besah sich grübelnd den Inhalt. Schließlich holte er Butter und Marmelade heraus, die er auf zwei Brotscheiben strich. Er ließ von der Maschine zwei Tassen mit Kaffee füllen und stellte alles auf der schmalen Erhöhung zurecht, die die Küche vom Wohnbereich trennte. Fehlte noch, dass sie gemeinsam am Esstisch frühstückten! Das würde Evangelina nur auf falsche Gedanken bringen.

Als er ins Schlafzimmer zurückkehrte, hörte er das Rauschen des Wassers aus dem Bad. Er ging in den angrenzenden Ankleideraum und schlüpfte in eine Trainingshose und ein Shirt, bevor er sich ans Frühstücken machte.

Frederick hatte sein Frühstück bereits beendet, als Evangelina zu ihm in die Küche kam. Sie trug nur ihre Dessous und hielt Kleid und Schuhe in einer Hand. Bei seinem Anblick zog sie eine Schnute.

„Schon angezogen und gefrühstückt? Du hast es ja wirklich eilig.“

„Tut mir leid. Ich bin gestern Abend völlig fertig eingeschlafen. Eigentlich war nicht geplant, dass du …“ Er zuckte mit den Schultern.

„Verstehe. Aber jetzt können wir die Zeit doch nutzen, die uns bleibt.“ Sie ließ ihr Kleid und die Schuhe auf den Boden fallen und kam auf ihn zu. Ihr Körper schmiegte sich eng an ihn.

Seine Männlichkeit reagierte prompt auf ihre Nähe. Doch er würde dieser kurzen Ablenkung nicht nachgeben. Seine Regeln waren klar. Nicht mehr als drei Dates mit derselben Frau. Nach dem Sex trennten sich ihre Wege. Alles andere brachte nur Komplikationen mit sich.

Er war nicht abgebrüht. Er war nur vernünftig. Eine Nacht reichte ihm völlig aus. Vielleicht noch ein Foto, das von der Schönheit des Tages und ihm geschossen wurde, bevor er sie in sein Haus einlud. Mit dem Morgengrauen und dem Erscheinen des Bildes in einem der Klatschblätter kühlte seine Begeisterung allerdings rasch ab.

Sie legte ihre Arme um seinen Hals, wiegte ihre Hüften, um sich dabei an ihm zu reiben. „Ich habe später noch ein Shooting, aber vorher könnten wir nochmal in dein Schlafzimmer gehen.“

„Nein, das könnten wir nicht.“

„Gleich hier in der Küche?“ Sie lachte. „Ganz nach meinem Geschmack.“

Er schüttelte den Kopf und schob sie von sich. Verstand sie nicht, wie unangenehm es ihm war, wenn sie so hartnäckig mehr von ihm verlangte? Er vermied schon den Anschein von Anhänglichkeit. Schließlich hatte er schon in frühen Jahren gelernt, dass das nur zu Enttäuschung und Schmerz führte. Evangelina sollte eigentlich ebenfalls genug Lebenserfahrung haben, um sich nicht so anzubiedern. „Ich habe zu tun. Also wenn du noch frühstücken magst, rufe ich in der Zwischenzeit ein Taxi.“

„Ich essen morgens nichts. Aber danke für das Angebot.“ Ihr Gesichtsausdruck zeigte deutlich, dass die Abfuhr sie vor den Kopf stieß.

„Willst du einen Kaffee? Du kannst dir die Tasse gerne mitnehmen.“ Hauptsache, er wurde die Damen schnell los.

„Ich trinke ihn einfach gleich aus.“

Er unterdrückte ein Seufzen. „Gut, dann rufe ich dir das versprochene Taxi.“

Während er telefonierte, zog sie sich an und schaffte es tatsächlich, die Kaffeetasse in Rekordzeit zu leeren.

„Morgen bin ich auf einer Veranstaltung“, erzählte sie nebenbei. „Aber am Sonntag hätte ich noch Zeit.“

„Das freut mich für dich“, ignorierte er das wenig versteckte Angebot. Am Wochenende war er ohnehin in Bahrain. Er trommelte mit den Fingern auf die Arbeitsplatte. Angeblich sollte das Taxi nicht mehr als fünf Minuten bis zu ihm brauchen. Vielleicht durfte er langsam damit beginnen, sie aus dem Haus zu komplimentieren.

„Ich könnte vorbeikommen.“ Sie blieb beharrlich.

Er legte ihr einen Arm um die Taille und machte sich auf den Weg zur Tür. So blieb ihr nichts anderes übrig, als ihm zu folgen.

„Sonntag ist ganz schlecht“, behauptete er. „Dein Taxi ist bestimmt schon da.“

„Das kann nicht sein. Du hast gerade erst angerufen. Jedenfalls danke ich dir für den schönen Abend. Den würde ich gerne wiederholen.“

„Mhm“, brummte er unhöflich. Er schob sie weiter Richtung Tür, aber das konnte ihren Wortschwall nicht bremsen.

„Es war toll mit dir“, gurrte sie und legte eine Hand auf seine Brust. „Du bist ein wunderbarer Mann. Wann sehen wir uns wieder, Fred?“

„Frederick“, korrigierte er genervt. Er ertrug diesen Spitznamen nicht und mit zudringlichen Frauen kam er noch schlechter zurecht. „Wir werden sehen. Nächstes Wochenende muss ich zum Rennen nach Bahrain. Und davor hab‘ ich jede Menge zu tun.“

„Dein Leben ist so aufregend. Ich komme ja auch viel um die Welt, aber ihr Rennfahrer werdet gefeiert wie Rockstars.“

Die Eingangstür kam endlich in Sichtweite. Gott, warum musste dieses Haus so groß sein? Er setzte ganz automatisch sein Traumschwiegersohn-Lächeln auf. „Wir sind nur ganz normale Menschen, die versuchen, ihren Job gut zu erledigen.“

„Tu nicht so bescheiden. Das nimmt dir keiner ab. Nach deiner Leistung im Bett ist es auch nicht angebracht.“ Sie zwinkerte ihm zu.

Er legte ihre Hand auf seinen Arm und zog sie so vorwärts. Ihr fiel der Abschied wirklich schwer. Es schien, als wäre sie in Sekundenkleber getreten und käme überhaupt nicht mehr von der Stelle. „Danke für die Blumen. Ich muss mich jetzt allerdings auf einen wichtigen Termin vorbereiten.“

„Zu schade. Hoffentlich denkst du trotzdem ununterbrochen an mich.“

Sehr unwahrscheinlich. Er riss die Tür auf.

„Verrate mir noch eine Sache“, bat die Blondine.

„Was willst du wissen?“

„Hast du dich meinetwegen mit Roberto geschlagen? Ich bin vor einiger Zeit auch mit ihm ausgegangen, aber das ist mit dem zwischen uns nicht vergleichbar.“

Das bedeutete wohl, sie war nur auf der Jagd nach einem Rennfahrer gewesen. Irgendeinem. Bestimmt würde sie rasch Ersatz finden.

„Roberto und ich hatten lediglich eine Meinungsverschiedenheit, sein Überholmanöver in der letzten Kurve in Shanghai betreffend. Mit dir hatte das nichts zu tun.“ Wie konnte sie glauben, er würde sich wegen einer Frau mit einem anderen Mann prügeln?

„Aber …“

„Tut mir leid. Ich muss jetzt wirklich los. Dein Taxi wartet auch schon. Danke für alles.“

Als er sich zu ihr beugte, um ihr einen Kuss auf die Wange zu geben, schob er sie gleichzeitig durch die Tür. Ein kurzes Winken und er schloss sie hinter Evangelina. Das Drama hatte endlich ein Ende.

Erleichtert atmete er auf und ging durch das Wohnzimmer, um sich in der Küche etwas zu trinken zu holen. Eine Bewegung im Garten zog seine Aufmerksamkeit auf sich.

Mit einem kurzen Seitenblick Richtung Glasfront kontrollierte er, ob das Model sich auf dem Weg zur Straße befand. Ja, sie ging gerade die letzten Stufen an der Seite des Hauses nach oben. Wer oder was zur Hölle befand sich dann in seinem Garten?

Er stellte sich vor die Glasfront und sah nach draußen, das abschüssige Gelände hinunter.

Das Grünzeug eines Busches ruckelte, als würde sich jemand daran zu schaffen machen. Eine Kappe erschien darüber. Auch wenn zu viel von der Person verdeckt war, um Einzelheiten zu erkennen, wusste er jetzt jedenfalls, dass sich kein Tier in seinen Garten verirrt hatte.

Die Gestalt bewegte sich. Eine grüne Latzhose über einem weißen Shirt. Er kniff die Augen zusammen. Durch die Blätter konnte er nicht viel erkennen. Aber die Person war zu zierlich für einen Mann. Die Fremde blickte Richtung Haus und verschwand dann wieder hinter dem Grünzeug.

War die Person ein Reporter? Nachdem er bei den ersten beiden Rennen dieses Jahres im Mittelfeld gelandet war, interessierte sich die Presse nicht genug für ihn, um ihm in seinem eigenen Garten aufzulauern. Zu seinem Leidwesen, wie er gestehen musste. Dennoch hatte sein Zusammenstoß mit einem seiner Kollegen letzte Woche für Aufsehen gesorgt. Ob man ihn deshalb bei einem weiteren Ausraster beobachten wollte?

Der Kopf der Person ragte neuerlich über das Gebüsch, bevor die Gestalt sich nach unten beugte. Ganz eindeutig beobachtete sie ihn, auch wenn Frederick bislang keine Kamera entdeckt hatte.

Er riss die Schiebetür auf und stapfte auf den Eindringling zu. „Hey! Sie da! Verschwinden Sie von meinem Grundstück.“

Die Person richtete sich auf. Es war tatsächlich eine Frau. Frederick erkannte blondes Haar unter der Kappe. Die Augen der Fremden waren erschrocken geweitet. Wie jung sie war! Vermutlich hatte sie nicht einmal einen Führerschein.

„Hallo, Herr Aigner. Ich dachte, man hätte Ihnen Bescheid gesagt …“

„Ach, melden sich Einbrecher jetzt schon telefonisch an? Was hast du hier zu suchen?“

Das Gesicht des Mädchens überzog sich mit Röte, was das Grün ihrer Augen leuchten ließ. „Ich bin doch für Sie zuständig.“

Was sollte das? Hatte man ihm ein Kind vorgesetzt, das sich an ihn heranmachen sollte, um ihn in eine unangenehme Situation zu bringen? Wollte man ihn in eine Falle locken? Oder handelte es sich bloß um einen schlechten Scherz? Seinen Freunden traute er alles zu. Letzten Sommer hatte man ihn in einen Whirlpool zu einer Schönheit gelockt, die sich dann als Mann entpuppt hatte. Die dabei entstandenen Fotos hatten empfindlich an seinem Image gekratzt. „Wer hat dich geschickt?“

„Ein Herr Juma.“

Fredericks Agent! Gerade Falk betete Frederick ständig vor, wie wichtig das Bild war, das man der Öffentlichkeit von sich zeigte. Na, der konnte was erleben!

„Da liegt ganz offensichtlich ein Missverständnis vor. Bist du zu Fuß da? Dann rufe ich dir ein Taxi.“

„Ich habe mein Auto dabei. Aber wenn ich gleich loslege, ist es rasch geschafft. Ich bin ziemlich geschickt. Soll ich wirklich jetzt schon gehen?“

Er nickte. Wehe, sie warf sich ihm an den Hals! „Am besten verschwindest du sofort.“

„Aber man hat mich informiert, dass es bei Ihnen Probleme mit der Standfestigkeit gibt. Das wäre im Handumdrehen gelöst, auch wenn bei Ihnen anscheinend auf anderen Gebieten ebenfalls noch viel zu tun ist.“

Was sollte das denn? Ihm war gerade erst zufriedenstellende Standfestigkeit bescheinigt worden. Bei ihm war alles perfekt!

„Bei der Größe wird es bestimmt eine Herausforderung, die Angelegenheit zufriedenstellend abzuschließen“, meinte sie weiter. „Aber einer Herausforderung kann ich nicht widerstehen. Warum sehen Sie sich nicht erst meine Arbeitsweise an, bevor Sie den Auftrag jemand anderem erteilen?“

„Auftrag?“ Wie konnte so ein junges Ding nur so geschäftsmäßig klingen, während es sich einem Mann anbot? Wo hatte Falk das Mädchen bloß aufgetrieben?

„Herr Juma meinte, Sie würden es nicht gerne selbst machen. Es könnte in eine ordentliche Sauerei ausarten. Und ich bin eine Expertin, wenn es schmutzig wird. Von daher …“

„Sei still! Trägst du ein Mikrofon bei dir? Was soll das Ganze?“

Sie blinzelte und trat einen Schritt zurück. „Tut mir leid, wenn Herr Juma sich geirrt hat. Ich will natürlich nicht in Ihre Privatsphäre eingreifen. In fünf Sekunden bin ich weg.“ Sie drehte sich um und griff nach etwas, das hinter ihr auf dem Boden lag.

Eine Heckenschere.

Die packte sie zu den anderen Gartengeräten in einer Metallbox, die halb verdeckt vom Busch neben ihren Füßen stand. Sie hob sie an, doch sie rutschte ihr sogleich wieder aus den Fingern und landete scheppernd im Gras. „Verdammt“, schimpfte sie.

Perplex sah er zu, wie sie das herausgefallene Werkzeug aufhob. Wenige Augenblicke später richtete sie sich auf und nickte ihm zu. „Schönen Tag noch.“

„Du arbeitest für eine Gärtnerei?“

„Ähm … natürlich. Was dachten Sie denn?“

Gott, wie dämlich! Sein Misstrauen seinen Mitmenschen gegenüber nahm immer absurdere Ausmaße an. „Keine Ahnung. Ich dachte, es wäre ein Scherz, um irgendwelche verfänglichen Fotos …“

Sie riss die Augen auf und stolperte zurück.

„Ja, ich weiß“, gab er zu. „Hat auch alles irgendwie nicht zueinander gepasst.“

„Ich habe den Auftrag, mich um den Baum zu kümmern, damit er den Gartenzaun nicht zerstört. Außerdem muss wohl auch alles andere wieder in Schuss gebracht werden. Soll ich mich um den Garten kümmern oder wollen Sie jemand anderen damit beauftragen?“

Er sah sich um. Der angesprochene Baum musste dringend gestützt werden. Zwischen den Hecken zeigte sich vereinzelt Unkraut. In dem kleinen Blumenbeet neben dem Pool welkten Blumen vom letzten Jahr vor sich hin und der Busch, an dem sie sich zu schaffen gemacht hatte, brauchte unbedingt einen Formschnitt. Falk hatte recht. Er machte Gartenarbeit nicht gerne selbst. Genauso wie einiges andere.

Sein Blick wanderte wieder zu dem Mädchen. Ihre grünen Augen faszinierten ihn, auch wenn es ihr offensichtlich an Stil fehlte. Allerdings sah sie auch ohne Schminke passabel aus.

„Der Garten hat es in der Tat mal wieder nötig. Da mein Agent dich beauftragt hat, kannst du bleiben.“

„Okay.“ Sie holte die Heckenschere wieder aus der Box. Kaum hatte sie sich damit aufgerichtet, glitt sie ihr aus der Hand und landete knapp neben ihren Füßen.

„Pass lieber auf. Mit der Schere kann man sich im Notfall bestimmt das Bein amputieren“, scherzte er.

„Ich werde mich bisher nie verletzt.“

Er hob eine Augenbraue. „Bist du noch in der Ausbildung?“

Sie kniff die Augen zusammen. „Nein, natürlich nicht. Herr Aigner, glauben Sie mir, Herr Juma hätte mich nicht engagiert, wenn ich nicht in der Läge wäre, Ihren Garten auf Vordermann zu bringen.“

„Im Augenblick scheinst du aber nicht allzu sicher im Umgang mit Werkzeug. Wenn es dich überfordert, sag lieber Bescheid.“

„Normalerweise sind meine Arbeitsbedingungen nicht so … so seltsam.“ Sie sah ihn an, als wäre er der eklige Auswurf einer noch abstoßenderen Pflanze. „Ich wurde noch nie für einen Einbrecher gehalten.“

„Tja, daran musst du dir selbst die Schuld geben. Hättest du dich mir vorgestellt, bevor du …“ Er dachte daran, womit er vor ein paar Minuten noch beschäftigt gewesen war. „… das wäre dir gar nicht gelungen. Ich hätte dir nicht geöffnet.“

„Nicht gerade höflich.“

Dem konnte er nicht widersprechen. In ihrem Alter war er bereits an die Distanziertheit seiner Mitmenschen gewohnt gewesen. Nach dem Tod seiner Eltern hatten ihn seine Großeltern aufgenommen. Doch als er aus einer Mischung aus Trauer und Wut ein paar seiner Spielsachen zerstört hatte, war er innerhalb der Familie weitergereicht worden. Er war gut damit gefahren, sich an niemanden zu binden. Das hatte ihn vor vielen Enttäuschungen bewahrt. Hoffentlich waren ihr solche Erfahrungen bislang erspart geblieben. „Dank der Presse muss ich vorsichtig sein.“

„Das klingt, als wären Sie übertrieben vorsichtig.“

Was wusste sie schon von solchen Dingen?

„Vergiss es. Kümmerst du dich bitte als erstes um den Baum und dann um das hässliche Gestrüpp hier?“ Er deutete auf einen zerrupften Strauch mit Dornen. „Am besten buddelst du das Unkraut gleich ganz aus. Ich hab‘ mich schon mehrmals daran gestochen.“

„Nein! Das können Sie dem wunderschönen Gelben Engel nicht antun.“

„Dem was?“ War sie übergeschnappt? Die Sonne brannte nicht heiß genug vom Himmel für einen Sonnenstich.

„So heißt die Rosensorte. Der Strauch ist nur nicht richtig gepflegt worden. Wenn ich ein wenig Mühe hineinstecke, blüht er bald wunderschön.“

„Ich brauche keine Rosen im Garten. Auf so kitschige Sachen stehe ich nicht. Halte es schlicht und geradlinig. Dann bin ich glücklich.“

Sie machte einen Schritt auf ihn zu und stieß dabei den Werkzeugkasten um, was sie gar nicht zu bemerken schien. Ihr Gesicht strahlte vor Begeisterung. „Ein Farbtupfer an der richtigen Stelle ist wichtig für das Gesamtbild und erst dieser Duft …“

„Mach ihn weg. Ich muss jetzt zu einem Termin. Da ich annehme, du bist schon weg, wenn ich wiederkomme, wünsche ich dir noch viel Erfolg, Mädchen.“

„Mädchen?“, hörte er sie ungläubig murmeln, als er sich umwandte und zum Haus zurückkehrte.

Über diese Sache musste er sich später mit Falk unterhalten. Es ging gar nicht, dass sein Agent einfach jemanden anstellte, der sich auf seinem Grundstück aufhalten würde, ohne ihn davon zu unterrichten. Und wie war er auf dieses junge Ding gekommen? Musste ja eine lustige Suchanfrage gewesen sein. Aber Frederick war nun gezwungen, es auszubaden. Wenn er Pech hatte, dichtete man ihm noch Kinderarbeit an. Er selbst hatte sich früh um sein Leben kümmern müssen. Bestimmt war seine neue Gärtnerin ebenfalls nicht gerne von anderen abhängig, sonst würde sie nicht dermaßen um diesen Auftrag kämpfen.

In seinem Keller befand sich ein Trainingsraum, in den er sich jetzt für die nächsten Stunden zurückzog. Er hatte eigentlich vorgehabt, in Gesellschaft im firmeneigenen Kraftraum zu trainieren. Doch für heute hatte er von Überraschungen genug.

[…]

„Poleposition für die Liebe“
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