Mein erfundener Ehemann, sein bester Freund und ich

0
18

Ein ganzes Leben Sommer

Was passiert, wenn das Schicksal die Karten neu mischt?

Rebeccas Glück ist perfekt. Seit Daniel vor vier Jahren in ihr Leben trat, fühlt sie sich wie in einem Hollywood-Film. Sie ist überzeugt, dass er die Liebe ihres Lebens ist.
Als sie nach einem Sturz im Krankenhaus erwacht, geschieht das Unglaubliche, das ihr Leben von Grund auf erschüttert: Niemand weiß von ihrer Beziehung. Ihre Familie versucht sie zu überzeugen, dass der Daniel, den sie kannte, nie existiert hat. War ihr Traum vom großen Glück tatsächlich nur ein Traum?
Es gibt nur eine Person, mit der sie über Daniel sprechen kann und die ihr helfen kann, das Geheimnis ihrer großen Liebe zu ergründen – Valentin, der Mann mit den funkelnden grünen Augen, der etwas zu verbergen scheint …

dp DIGITAL PUBLISHERS GmbH

e-book EUR 4,99
für kindle kaufen (Werbelink)
oder bei Thalia kaufen

Leseprobe:

Kapitel 1

Samstag, 23. Mai 2015

Ich pirschte mich leise an. Daniel war in die Zeitung vertieft und merkte nicht, wie ich die Müslischale vor ihm zur Seite schob. Schließlich musste ich ihm die Zeitung aus der Hand nehmen, um seine Aufmerksamkeit zu erregen.

„Was …?“ Er wandte sich mir zu. Sein Blick glitt über das schwarz-rote Spitzenkorsett an meinem Körper, das ich gestern erst gekauft hatte. Das aufblitzende Verlangen in seinen Augen wich allerdings schnell Bedauern. „In nicht mal einer Viertelstunde muss ich los.“

„Dann lass uns keine Zeit verschwenden.“ Ich setzte mich auf den Küchentisch und spreizte die Beine. „Ein spontaner Quickie.“

„Becca …“

„Du wirst vier Tage unterwegs sein. Vier Tage!“ Ich strich über seine Wange, zog ihn näher. Der herbe Geruch seines Aftershaves stieg mir in die Nase und verwirrte meine Sinne. „Ich will dich. In letzter Zeit bist du ständig müde, wenn du von der Arbeit nach Hause kommst.“

„Es ist grad viel los.“

Ein verführerisches Lächeln auf den Lippen legte ich den Kopf schief. „Muss ich dich wirklich an deine ehelichen Pflichten erinnern?“

„Wenn ich tonnenschwere Ladung durchs ganze Land transportiere, muss ich ausgeruht sein.“ Er stand auf.

Meine Finger krallten sich in sein Shirt und zerrten ihn an mich heran. Mein Oberkörper rieb sich an ihm. Ich war so ausgehungert, dass das Blut heiß durch meine Adern floss. Wie sehr ich ihn wollte! Ich brauchte ihn. „Wie munter du erst sein wirst, wenn du mich hier auf dem Küchentisch …“

„Wenn ich zurückkomme. Versprochen.“ Er schob mich vehement von sich.

„Nur einen Kuss.“ Vergeblich versuchte ich, seine Lippen zu erreichen.

„Rebecca, schalte einen Gang zurück.“

„Nur weil ich meinen Mann begehre …“

„Ich habe jetzt keine Lust. Darüber will ich nicht streiten. Wie du schon sagtest: Ich werde vier Tage mit dem Lastwagen unterwegs sein.“

Diese energische Ablehnung kränkte meinen Stolz. Obwohl ich es nicht persönlich nehmen sollte, wenn er seinen Job an erste Stelle setzte. Schließlich hielt ich es mit meinem nicht anders. Doch wie sollte ich nicht tief getroffen sein, wenn er meinen dargebotenen Körper abwies?

Ich starrte ihn wütend an. Dann wandte ich mich um, lief die Stufen hoch ins Schlafzimmer und schlug die Tür mit einem lauten Knall zu.

Schwer atmend hoffte ich auf das Geräusch seiner Schritte, die mir nachkamen. Er brauchte sich nicht zu entschuldigen. Es würde reichen, wenn er mich in den Arm nahm und mir versicherte, wie sehr er mich liebte.

Von unten klang das Knallen der Haustür zu mir. Es dauerte, bis ich begriff, was das bedeutete.

Daniel hatte das Haus verlassen. Er war einfach gegangen, ohne sich zu verabschieden, ohne den Streit zu klären.

Meine Augen brannten, aber ich hielt die Tränen zurück. Ich hatte Erfahrungen mit unerwartet verschwindenden Männern. Eine Überraschung, Daniel dazu zählen zu müssen. Nein, eine Enttäuschung. Nun schmerzte auch mein Herz.

Ich riss die Haken an meinem Korsett auseinander, wobei einer kaputt ging. Vermutlich würde ich das Spitzending ohnehin nicht mehr benötigen.

„Ich verspreche dir, mit dieser Beziehung niemals leichtfertig umzugehen.“

Weshalb stand er nicht zu diesem Schwur, den er mir vor knapp drei Jahren in der Hochzeitskapelle in Las Vegas gegeben hatte? Seine Worte nahm ich sehr ernst. Obwohl sie von ihm stammten, waren sie auch zu meinem Motto geworden.

Nur mit einem Slip bekleidet lief ich nach unten ins Wohnzimmer, wo mein Handy lag. Ich würde ihn anrufen und die Angelegenheit klären.

An der Haustür erklang das Geräusch eines sich herumdrehenden Schlüssels im Schloss. Als ich herumwirbelte, kam Daniel vom Gang herein. Er betrachtete mich in meinem Aufzug mit geweiteten Augen.

„Du bist zurückgekommen!“ Mit einem Aufschrei lief ich auf ihn zu.

Er streckte die Arme aus, um mich aufzufangen.

Ich schlang ihm die Arme um die Schultern und sprang an ihm hoch. Erleichtert bedeckte ich sein Gesicht mit Küssen. „Bei einem Anruf wollte ich mich entschuldigen. Wie ich es hasse, wenn wir streiten.“

„Tut mir leid, dass ich es verbockt habe, Becca. Ich hätte nicht davonlaufen dürfen.“

„Nein, das hättest du tatsächlich nicht.“

„Nenn mich einen Idioten. Ich beschwere mich, während jeder andere Mann mich für deine Heißblütigkeit beneiden würde.“

In seinen Augen lag Liebe und schlechtes Gewissen. Doch letzteres quälte auch mich. „Wenn ich nicht so offensiv gewesen wäre … Ich habe Angst, uns zu verlieren.“

„Wir werden daran arbeiten. Gleich wenn ich zurück bin.“

Seine Hände lagen auf meinen Pobacken. Als er die Finger spreizte, musste ich mir auf die Lippen beißen, um nicht aufzustöhnen. Ich drängte die hochkochende Leidenschaft zurück. Das musste bis zu seiner Rückkehr warten. „Ich liebe dich.“

Er küsste mich sanft. Die zarte Berührung seiner Lippen machte es mir nicht leicht, geduldig zu bleiben. Er unterbrach den Kuss und lächelte. „Ich liebe dich. Und wenn ich nicht dringend weg müsste …“

Langsam glitt ich an seinem Körper hinunter. „Schon klar. Was mache ich nur so lange ohne dich?“

„Du könntest dich um Valentin kümmern. Er hat Liebeskummer. Die Frau, für die er sich interessiert, nimmt ihn gar nicht wahr. Ich fürchte, es hat ihn diesmal ziemlich schlimm erwischt.“

„In Ordnung. Schließlich ist dein bester Kumpel auch für uns immer da. Und jetzt geh endlich. Sonst musst du die verlorene Zeit mit Rasen einholen. Das wäre nicht gut für meine Nerven.“

„Ich weiß, wie schwer die letzte Zeit für dich war. Wenn ich wieder zurück bin, dann …“ Er zögerte. „… dann basteln wir an unserem ersten Kind.“

„Du musst mir keine Versprechungen machen, die …“

Er schüttelte den Kopf. „Ich will das genauso sehr wie du. Mein Gehalt wird nicht ausreichen, um als Alleinverdiener unseren momentanen Lebensstandard zu erhalten. Aber ich habe überlegt, Vaterschaftsurlaub zu nehmen. Wir können …“

Ich umarmte ihn stürmisch, bis ihm keine Luft zum Weiterreden blieb. „Unser gemeinsames Baby!“

„Unser ERSTES gemeinsames Baby“, korrigierte er. „Wir haben diesen riesigen Garten nicht umsonst. Ich werde dich unterstützen, so gut ich kann. Das mit dem Vaterschaftsurlaub wird sicher kein Problem. Dann kannst du rasch wieder arbeiten gehen.“

„Ich brauche keinen Luxus, wenn ich dich habe. Wir besitzen ein Haus, in dem wir zufrieden sind. Wenn hier noch das Lachen von Kindern erklingt, bin ich die glücklichste Frau der Welt“, versicherte ich.

„Dann ist es beschlossene Sache. Ein Baby, das aussieht wie du.“

Ich schüttelte den Kopf. „Eines, das aussieht wie wir beide. Das Beste von uns beiden. Mehr kann ich nicht verlangen.“

 

Dienstag, 26. Mai 2015

Mit einem großen Becher Kaffee in der Hand eilte ich die Straße hinunter. Ich war spät dran. Dieser dämliche Besichtigungstermin ruinierte alles. Nach einem Blick auf die Uhr beschleunigte ich noch einmal mein Tempo.

Ich hasste es, mich unvorbereitet mit Kunden zu treffen. Weder besaß ich genaue Infos zu dem Pärchen noch zu der Wohnung, die ich ihnen zeigen sollte. Wäre mein Kollege bei seiner Besichtigung nicht aufgehalten worden, wäre ich jetzt schon zuhause. Ich könnte jetzt bereits in der Küche stehen und Vorbereitungen für ein Festmahl treffen.

In zwei Stunden kam Daniel zurück.

Ich wollte ihm einen besonderen Empfang bereiten. Im ganzen Wohnzimmer standen Kerzen. Eine gute Flasche Wein wartete gekühlt. Dazu sollte es Hühnchen mit Curry-Gemüse und Reis geben. Ich war zwar keine besonders gute Köchin, aber das hätte ich hingekriegt. Wenn mir genug Zeit dafür geblieben wäre.

Jammern half nichts. Daniel freute sich bestimmt auch über eine Pizza, die ich beim Heimfahren besorgen konnte.

Die U-Bahn-Station kam in Sicht. Verdammt, ich war mit Gewissheit zu spät. Selbst wenn mit viel Glück sofort eine U-Bahn einfahren sollte.

Mein Fuß befand sich auf der ersten Stufe, als ich eine Frau entdeckte, die sich mit ihrem Kinderwagen abmühte. Die junge Frau hatte sich aus unverständlichen Gründen dagegen entschieden, den Fahrstuhl zu benutzen. Sie versuchte, eine Stufe nach der anderen zu überwinden, ohne das Gleichgewicht zu verlieren. Nicht sonderlich erfolgreich. Außer mir befand sich niemand auf der Treppe. Mein Gewissen und mein Pflichtbewusstsein lieferten sich einen lautstarken Streit in meinem Kopf.

„Warten Sie. Ich helfe Ihnen“, murmelte ich seufzend. Ich lief ein paar Stufen nach unten, bis ich bei der Frau angelangt war, und warf einen Blick in den Wagen. Das Baby mit der blauen Mütze und dem rosigen Gesicht schlief trotz des Geruckels tief und fest. Kurz spürte ich einen Stich in der Herzgegend. Durfte ich bald auch so ein kleines Wunder im Arm halten? Ich warf meine Tasche über die Schulter und klemmte den Kaffeebecher mit der linken Hand fest. Mit einem Griff um den unteren Rahmen hob ich den schweren Kinderwagen an. Dann trug ich alles rückwärts die Treppen hinunter.

Wir kamen natürlich langsam voran, und ich unterdrückte ein Seufzen, denn jetzt würde ich bestimmt die nächste Bahn verpassen. Ein Jugendlicher überholte uns, aber sonst war niemand zu sehen, den ich um Unterstützung hätte bitten können. Warum hatte ich mich auch verantwortlich dafür gefühlt, der Frau zu helfen?

„Können wir etwas schneller machen?“, bat ich.

Das Gesicht der Frau war vor Anstrengung verzerrt. „Ich weiß nicht …“

„Ich muss dringend weiter.“

„In Ordnung.“ Die Frau hob ebenfalls den Wagen an. So fiel es leichter, den Kinderwagen nach unten zu transportieren. Nur mehr ein paar Stufen.

Eine einzige Sekunde lang war ich unachtsam. Mein Fuß fand plötzlich auf der rutschigen Treppenstufe keinen Halt, und ich spürte, wie ich nach hinten kippte. Ich ließ den Kaffeebecher fallen und tastete nach dem Geländer. Gleichzeitig klammerte ich mich an den Rahmen des Kinderwagens.

Dem Baby durfte nichts passieren. Ich musste es beschützen.

In diesem Moment verlor ich endgültig den Kampf mit dem Gleichgewicht. Ich fiel! Mit dem Rücken krachte ich auf den Boden und spürte einen Schlag gegen die Rippen. Dann knallte auch mein Kopf auf den Boden. Ein Poltern ließ mich befürchten, das Baby nicht gerettet zu haben. Dass es ebenfalls auf den Boden aufgeschlagen war.

Diese Art zu sterben konnte nur als Ironie bezeichnet werden. In den Tod gestoßen von meinem größten Wunsch. Wehe, wenn das das Ende war! Um mich herum wurde es dunkel.

[…]

„Ein ganzes Lieben Sommer“
e-book EUR 4,99
für kindle kaufen (Werbelink)
oder bei Thalia kaufen

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here