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Ein verliebtes Herz, zwei Männer und eine skandalöse Wette – Regency

„Kapitulation des Herzens (Drei einsame Herzen-Reihe Teil 3)“ von Ester D. Jones

Lady Samantha hegt schon seit langem heimlich romantische Gefühle für den Frauenhelden Lord Weston. Als sie endlich seine Aufmerksamkeit erregt und er ein Stelldichein vorschlägt, will die junge Witwe sich darauf einlassen. Dann gerät Samantha allerdings in Bedrängnis und muss von ihrem alten Freund, dem Earl of Coldrich, gerettet werden. Er will ihr helfen, ihren geheimsten Traum zu erfüllen und Lord Weston für sie zu gewinnen. Dabei gerät Samanthas Gefühlswelt gehörig durcheinander.
Kapituliert ihr Herz, wenn es mit langsamen Küssen verführt wird?

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Leseprobe

1. Kapitel

England / Herbst 1756

Dicke Rauchschwaden schwebten im Raum, dicht genug, damit Jeremiah Weston das Muster der holzvertäfelten Decke nicht mehr erkennen konnte. Der durchdringende Geruch hatte sich bereits in seiner Kleidung festgesetzt. Dennoch nahm er einen zufriedenen, tiefen Zug aus seiner Zigarre.

»Eure Miene ist viel zu leicht zu durchschauen, Weston.«

Er hob eine Augenbraue. »Wer sagt Euch, dass das nicht zu meiner Masche gehört, Billan?«

Der Gesichtsausdruck seines Gegenübers wirkte nicht mehr so überheblich. »Dann lasst mich nicht länger warten.«

Jeremiah machte seinen Zug und beobachtete, wie seine Mitspieler ihre Karten ausspielten. Diese Runde würde er neuerlich gewinnen. Seinen Freunden am Spieltisch wurde das auch rasch klar.

In dem Glas vor ihm befand sich ein letzter Schluck Whisky, den er leerte. Dann sah er zu, wie ihm sein Gewinn zugeschoben wurde.

Vom Eingang her drang die Stimme einer Frau zu ihnen. Selbst wenn sie sich in Begleitung eines Gentlemans befinden sollte, würde man sie nun höflich aber bestimmt abweisen. Ladys hatten in diesen Räumlichkeiten nichts zu suchen. Und Damen, die sich nicht als Lady bezeichnen konnten, wurden ebenfalls nicht gerne gesehen. Sollte einem Gentleman der Sinn nach weiblicher Gesellschaft stehen, konnte er seine diesbezüglichen Bedürfnisse ein paar Häuser weiter befriedigen.

Leises Lachen und Murmeln erfüllte den Raum, in dem die Pokertische aufgestellt waren. Aus dem angrenzenden Zimmer war das Aneinanderstoßen von Billardkugeln zu hören. Kerzen in gut ein Meter hohen Kerzenleuchtern verbreiteten ein warmes Licht, das von den Rauchschwaden gedämpft wurde. Alles wie immer. Sogar der Duft nach Zigarren und Alkohol war altbekannt.

Als der Spielleiter Jeremiah erwartungsvoll anblickte, schüttelte er den Kopf. »Ohne mich. Ich habe genug für heute.«

»Ihr wollt doch wohl noch nicht nach Hause gehen, Weston?«

»Vielleicht werdet Ihr Eure Revanche beim nächsten Mal erhalten, Billan. Im Augenblick reicht es mir, vor einem hoffentlich bald wieder gefüllten Glas zu sitzen.«

Der Spielleiter winkte einen Kellner heran, der Jeremiah Whisky nachschenkte.

Maxwell lehnte neue Karten ebenfalls ab. »Ihr scheint heute nicht recht bei der Sache, Weston. Ist euch in letzter Zeit kein Kätzchen über den Weg gelaufen, dem Ihr das Fell kraulen konntet?«

Jeremiah seufzte. »Am Frauenmangel liegt es nicht. Ich hätte nicht für möglich gehalten, jemals so zu empfinden. Doch seit Amsburgh auf den Pfad der Tugend gewechselt ist, haben diese Treffen etwas von ihrem Reiz verloren. Dieses hier beginnt mich zu langweilen.«

»Wir brauchen einen neuen Partner, da Amsburgh anscheinend nun öfter ausfallen wird«, stellte Maxwell klar. »Wir können sogar zwei neue Gentlemen für unsere Runde suchen. Selbst unserem Vierergespann fehlte manchmal der Pfeffer.«

Das Geschwafel eines unerfahrenen Burschen. Jeremiah ließ es ihm nicht durchgehen. »Einigen von uns fehlt es eindeutig an Benehmen.«

»Ihr seid noch pingeliger als Lord Amsburgh«, beschwerte sich Maxwell.

Bemerkte der Kerl, wie sehr er den anderen Spielern mit solch kindischen Bemerkungen die Laune verdarb? Ein Themenwechsel wäre angebracht. »Unglaublich, wie schnell er sich hat einfangen lassen. So wenig Rückgrat hätte ich ihm nicht zugetraut. Dabei würde niemand Lady Victoria als auffällig bezeichnen. Sie schien im Schatten ihrer Schwester immer zu verschwinden.«

Lord Billan, der älteste der anwesenden Gentlemen, sah hoch. »Womit sie ihn wohl geködert hat?«

»Sie soll ein neugieriges, kleines Wesen sein.« Lord Maxwells Augen glänzten. »Wenn sich diese Wissbegierde bis ins Schlafzimmer erstreckt …«

»Genug!« Jeremiah beugte sich vor. »Ihr sprecht von der Gattin eines unserer Mitglieder, Maxwell. Wir alle können uns Gedanken dazu machen, wie es zu der Ehe gekommen ist. Doch ich werde nicht zulassen, dass hier in diesen Räumen die Ehre einer verheirateten Frau in den Schmutz gezogen wird.«

Auf Maxwells Wangen erschienen rote Flecken. »Ihr habt Recht, Weston. Es tut mir leid.«

»Lady Victoria würde Eure Entschuldigung verdienen. Allerdings sollte sie besser nichts hiervon erfahren, also nehme ich die Entschuldigung in ihrem Namen an.« Neuerlich seufzte er. »Wie sehr ich wünschte, Lord Amsburgh würde diesen Abend mit einer schönen Keilerei gegen Maxwell anheizen.«

»Kommt schon, Weston. Die Rivalität zwischen Euch und Amsburgh habe ich nie ganz verstanden. Seid Ihr Euch irgendwann bezüglich einer Frau in die Quere gekommen?« Lord Billan wirkte überaus neugierig.

»Unsere gegenseitige Abneigung stammt noch aus unserer Schulzeit«, erklärte Jeremiah vage. »Jemand mit so vielen grauen Haaren, wie Ihr sie besitzt, hat im Laufe seines Lebens bestimmt auch jede Menge Feinde angesammelt.«

»Versucht nur, mich mit einem Hinweis auf mein Alter abzulenken. Dank meiner langen Lebenszeit kann ich mich an eine Zeit erinnern, in der Lord Amsburgh und Ihr noch eine Freundschaft gepflegt habt. Eines Tages solltet Ihr klären, was zwischen Euch vorgefallen ist.«

Als würde er so etwas Verrücktes auch nur in Betracht ziehen! »Wir werden sehen. Im Augenblick interessiere ich mich jedenfalls weder für Lord Amsburgh noch für seine Frau.«

»Aber vielleicht für seine Schwägerin?« Maxwell grinste breit.

Der Junge sollte auf seine Worte achten. »Wie kommt Ihr jetzt darauf?«

»So, wie Ihr die junge Witwe bei jedem Zusammentreffen anseht, bewundert Ihr nicht die Kunst ihres Schneiders.«

Die nächsten Sekunden nutzte Jeremiah, um einen Schluck von seinem Whisky zu nehmen und seine Zigarre zu Ende zu rauchen. Als er den Blick wieder hob, beobachtete Billan ihn gerade mit einem amüsierten Grinsen, während Maxwell auf seinem Stuhl hin und her rutschte. Die Situation sollte Billan nicht belustigen. Er sollte lieber Mitleid mit Maxwell empfinden.

Jeremiah ließ seine Stimme bei den folgenden Worten eisig klingen. »Unterstellt mir niemals wieder Interesse an einer Lady, Billan, wenn Ihr als Beweis dafür nicht mehr als angebliche Blicke habt.«

[…]

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