Amor, Venedig und Liebeswirren

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„Liebeswirren in Venedig“

Venedig im Karneval 1910:

Frauenrechte? Nicht mit den römischen Göttern! Um dem neumodischen Treiben Einhalt zu gebieten und die alte Ordnung wiederherzustellen, begibt sich Amor in Gestalt des Druckereibesitzers Arturo in die Lagunenstadt. Dumm nur, dass er sich den Zorn der jungen Bernadetta zuzieht, die sein Geschäft ruinieren will. Sie stiftet jede Menge Verwirrung und sorgt dafür, dass auf den Maskenbällen allerlei frivoles Treiben herrscht, worunter vor allem der konservative Adlige Franco zu leiden hat. Dann richtet sich Amors Elixier zu allem Überfluss auch noch gegen ihn selbst und er entbrennt in heißer Liebe – für einen Mann!

 

Leseprobe:

5. Kapitel

Keine Suche nach Liebe

»Ich glaube nicht an Liebe«, erinnerte Signor Franco Cicarese sein Spiegelbild leise und ordnete seine Krawatte. »Niemand braucht diese unnötige Verkomplizierung. Ich bin nicht auf der Suche nach jemandem, der mein Herz zum Schnellerklopfen bringt. Die Signorina, die sich am besten als meine Ehegattin eignet, soll zurückhaltend und höflich sein. Viel mehr muss ich nicht erwarten. Also kann ich die Signorina wählen, die mir als Erstes über den Weg läuft.«

Franco wollte einen neuen Abschnitt beginnen. Ein erster Schritt war heute notwendig. Inzwischen hatte er ein Alter erreicht, in dem er sich Gedanken über seine Zukunft machen sollte. Bisher hatte er sich ausschließlich auf die Firmengeschäfte konzentriert. Für ein Privatleben war einfach kein Platz gewesen. Nun sollte die Brautschau beginnen. Mit einer vernünftigen Strategie würde er rasch ans Ziel gelangt sein.

Er strich das Hemd glatt. Zufrieden mit seinem äußeren Erscheinungsbild schlüpfte er in den Frack und verließ dann das Arbeitszimmer.

Auf dem Gang kam ihm seine Madre entgegen. »Willst du noch außer Haus, mein Junge?«

»Ich besuche Dottor Bonifacio. Warten Sie nicht mit dem Abendessen auf mich.«

Besorgnis erschien auf Signora Cicareses Gesicht. »Bist du krank? Fühlst du dich nicht gut?«

»Es ist alles in Ordnung, Mutter. Ich wünsche lediglich eine Unterhaltung mit dem Mediziner.«

»Du kannst mir sagen, wenn es dir schlecht geht.« Seine Madre kam näher. Ihre Beunruhigung war nicht zu übersehen. »Denk nicht, mich schonen zu müssen. Ich kann auch nach Dottor Bonifacio schicken lassen. Bestimmt hat er nichts dagegen, dich in unserem Haus aufzusuchen.«

»Ich weiß Ihre Sorge zu schätzen. Sie ist allerdings nicht angebracht. Ich verheimliche Ihnen keine Erkrankung«, versicherte er.

Immer noch wirkte sie nicht überzeugt. »Du weißt, wie schnell etwas, das du für eine harmlose Erkältung hältst, deinem Leben gefährlich werden kann. Wenn da etwas ist, über das ich Bescheid wissen sollte, lass mich bitte nicht außen vor.«

Er lächelte sie an. Sein Herz schmerzte. »Ich bedaure den frühen Tod meines Vaters genauso sehr wie Sie, auch wenn ich ihn nicht besonders gut kennenlernen durfte. Sein überraschender Tod war eine Tragödie. Dass Sie sich deshalb Gedanken um mich machen, rechne ich Ihnen hoch an. Sorgen sind allerdings unbegründet. Mein Besuch bei Dottor Bonifacio hat private Gründe, die Sie vermutlich erfreuen werden. Ich begebe mich endlich auf Brautschau.«

Die Stirn seiner immer noch attraktiven Mutter runzelte sich. »Bei Dottor Bonifacio?«

»Er hat zwei Töchter, die im richtigen Alter für eine Eheschließung sind.«

Seine Madre hob eine Augenbraue, nickte allerdings. »In der Tat. Es ist an der Zeit, dass die beiden unter die Haube kommen. Müssen sie das allerdings unbedingt bei dir?«

Dieser Kommentar überraschte ihn. »Wünschen Sie sich keine Schwiegertochter?«

»Natürlich! Es würde mich freuen, wenn du mir Enkelkinder schenken würdest«, bestätigte seine Mutter. »Ich habe es genossen, dich beim Aufwachsen zu begleiten und zuzusehen, wie du ein wundervoller, selbstbewusster Mann wirst. Bald in der Rolle der Großmutter die Aufgabe zu übernehmen, deine Kinder zu verwöhnen, wird mich zur glücklichsten Frau auf diesem Planeten machen. Allerdings kann ich mir keine der beiden Töchter von Dottor Bonifacio an deiner Seite vorstellen.«

»Eine von ihnen wird eine perfekte Ehefrau für mich abgeben. Sie sind hübsch und anschmiegsam.«

»Das kann man über einen zahmen Vogel auch sagen. Trotzdem kann er nichts außer Piepsen zu einer Diskussion beitragen«, bemerkte Signora Cicarese.

»Finden Sie den Gesang der Schwestern Bonifacio dermaßen entzückend? Leider hatte ich noch nicht das Vergnügen, einer Darbietung der beiden Signorinas zu lauschen.«

Seine Mutter schnaubte. »Niemand würde die beiden als interessant bezeichnen, mein Sohn. Sie sind langweilig und nicht gerade …« Jetzt hob sie beide Augenbrauen.

Langsam verlor er die Geduld. »Ich fürchte, Sie müssen deutlicher werden. Worauf wollen Sie hinaus, Madre?«

»Die beiden sind dumm wie Stroh, mein Sohn. Sie sind nicht das, was du brauchst.«

»Das sollte ich selbst entscheiden. Schließlich muss ich den Rest meines Lebens mit meiner Zukünftigen verbringen.« Der Gedanke sollte ihn eigentlich mit mehr Freude erfüllen. Oder etwa nicht? War es normal, dass er völlige Gleichgültigkeit empfand, obwohl er dabei war, einen neuen Lebensabschnitt zu beginnen?

Signora Cicarese lächelte ihn wehmütig an. »Natürlich. Du bist ein Mann. Du hast alles Recht, deine Zukunft so zu gestalten, wie du es willst.«

»Das ist mein gottgegebenes Recht«, bestätigte er. »Wer sollte es anzweifeln?«

[…]

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