Am Tisch mit … Birgit Constant

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Heute darf ich eine sympathische Autorin bei meinem „Am Tisch mit“-Treffen willkommen heißen, die ich bei der Teilnahme meines Pseudonyms Ester D. Jones an einer Anthologie kennengelernt habe. Mit der Benefiz-Anthologie „Durch Zeiten und Töpfe: Mit zwölf Geschichten und Gerichten durch zwei Jahrtausende“ werden Spenden für „Die Tafel Österreich“ gesammelt. Bei einer gemeinsamen Lesung haben einige von uns Autoren sich sogar persönlich austauschen dürfen. Birgit Constant war jetzt so freundlich, ein paar meiner Fragen zu beantworten. Gern kannst du Dinge kommentieren, die du noch von ihr erfahren möchtest. Ich werde versuchen, die Informationen nachträglich einzuholen.

Birgit Constant kommt zum Frühstück zu mir, denn für sie gibt es nichts Schöneres, als mit leckerem Essen in netter Gesellschaft in den Tag zu starten. Vor uns steht eine leckere Auswahl an Marmelade, Aufstrichen, Wurst und Käse. Dabei dürfen für Birgit Brötchen nicht fehlen. Am liebsten hat sie die mit vielen Körnern und Samen drin, die beim Kauen so richtig knurpsen, wie sie sagt. Zum Glück habe ich etwas Passendes gefunden, sodass wir erst einmal ein paar Bissen nehmen können. Zwischen uns steht eine Tanne Tee, den Birgit Kaffee vorzieht. Ich schenke uns beiden ein, doch dann kann ich meine Neugierde nicht mehr zügeln.

Ich: Herzlich Willkommen bei mir daheim. Weil wir gerade beim Essen sind – Hast du vielleicht zu einem deiner Bücher ein passendes Rezept?
Birgit: Das einzige Rezept, das es zu einer Kurzgeschichte von mir gibt, ist schon in der Benefizanthologie „Durch Zeiten und Töpfe“ von den Sisters through Time enthalten. Man kann es sich kostenlos mit den anderen Rezepten der Anthologie auf www.birgitconstant.de/sisters-through-time herunterladen.

Ich: Stell dich bitte kurz vor.
Birgit: Bekennender Sprachfreak und Weiterbildungsnerd. Ich liebe Tanzen (Standard, aber noch viel mehr Latein und Salsa) und jogge gerne, komme aber viel zu selten dazu. Zur Entspannung lese ich lieber Sachbücher als Romane.

Ich: Was sollte man über dich als Autorin wissen?
Birgit: Wer mit Fremdsprachen nichts anfangen kann, sollte die Finger von meinen Büchern lassen, denn dort wimmelt es vor mittelalterlichen Sprachfetzen. Manche nervt das, andere lieben gerade das an meinen Romanen.

Ich: Über welche Kanäle bist du erreichbar?
Birgit: In erster Linie über E-Mail und BlueSky.

Ich: Was ist dein Lieblingsspiel?
Birgit: Früher habe ich sehr gerne Monkey Island gespielt. Mittlerweile muss ich manchmal bei Minecraft Dungeons aushelfen, wenn ein dritter Mann für die schwierigen Level gebraucht wird. Im Schlachtgetümmel verliere ich mich zwar oft, aber irgendwie scheine ich doch nützlich zu sein, damit die gesamte Heldengruppe überlebt.

Ich: Hast du eine ungewöhnliche Fähigkeit oder ein unübliches Hobby, von dem nur wenige Leute wissen?
Birgit: Der wachsende Kreis jener, die meine Bücher kennen, weiß, dass ich gerne alltagstaugliche Wörter und Sätze aus mittelalterlichen – und älteren – Sprachen aufspüre bzw. zusammenbastle. Aber für eine Mediävistin ist das wahrscheinlich nichts Ungewöhnliches.

Ich Was war deine erste Veröffentlichung?
Birgit: Auf fachlicher Seite meine Dissertation über das Kommunikationsverhalten der Frauen im französischen Artusroman des Mittelalters. In der Belletristik war es mein Verlagsdebüt „Das bretonische Mädchen“, das vor einigen Jahren umbenannt und Band 2 Teil meiner Northumbria-Trilogie wurde.

„Der zweite Sohn des Normannen“

England im Jahre 1086:
Nach dem Tod seines älteren Bruders wäre der sechzehnjährige Roger eigentlich der rechtmäßige Erbe, doch sein Vater hält ihn für unfähig. In seiner Verzweiflung versucht Roger das Vertrauen der jungen Gwennaol zu gewinnen, die ein Geheimnis über seinen Vater zu hüten scheint. Zu spät merkt Roger, dass er ein tödliches Spiel in Gang gesetzt hat – und sein unsichtbarer Gegner ist nicht der Einzige, der das Leben am Gutshof bedroht.

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Ich: Das klingt nach einer spannenden Geschichte. Was war deine letzte Veröffentlichung?
Birgit: Marie ist mein Name, die wahnsinnig arbeitsaufwändige, aber ungeheuer spannende Romanbiographie über Marie de France, die erste namentlich bekannte, in Französisch (eigentlich Anglonormannisch, also ein französischer Dialekt) schreibende Schriftstellerin.

„Marie ist mein Name“

Sie muss ihre Stimme finden oder für immer verstummen.
Die epische Reise einer Frau durch Königshöfe und Länder, Sprachen und Dialekte, und ein halbes Jahrhundert französisch-englische Geschichte.
Frankreich 1147. Schon als Kind träumt die gelehrige Marie davon, Bücher zu schreiben. Gepeinigt von einem Vater, der gebildete Frauen als Gotteslästerung betrachtet, findet sie Kraft in der Unterstützung ihrer Mutter und ihres weisen Großvaters.
Als die Mutter stirbt und ihr ein erschütterndes Geheimnis hinterlässt, begehrt Marie zunehmend gegen den gewalttätigen Vater auf und flüchtet schließlich mit Hilfe des Großvaters an den schillernden Hof von Königin Aliénor von Aquitanien.
Aber der Hof ist nicht das Paradies der Freiheit und des Verständnisses, das sie sich erträumt hat. Gefangen im Netz aus gesellschaftlichen Konventionen und Intrigen kämpft sie darum, ihre Stimme in einer Welt zu erheben, die von Selbstsucht, Neid und Heuchelei beherrscht wird.
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Ich: Das klingt tatsächlich, als hättest du dafür viel Zeit in die Recherche stecken müssen. Wann hast du eigentlich gemerkt, dass du unbedingt Autorin sein/bleiben willst?
Birgit: Meine Deutschlehrerin sagte mir in der 5. Klasse, dass ich Kinderbücher schreiben sollte. Seitdem hatte sich der Gedanke wohl in meinem Hinterkopf festgesetzt, aber mit dem belletristischen Schreiben habe ich erst sehr spät, ab 2014, angefangen.

Ich: Dann bist du wirklich schon früh als Talent erkannt worden. Welches Ziel hast du übrigens schon erreicht/willst du unbedingt noch erreichen?
Birgit: Ich habe im Verlag veröffentlicht und hatte einen erfolgreichen Start ins Selfpublishing – meine Bücher haben alle locker ihre Kosten wieder eingespielt. Eigentlich hatte ich vor, mich irgendwann ganz dem Schreiben widmen zu können. Angesichts der Entwicklungen in der Buchbranche und vor dem Hintergrund der wachsenden Einflussnahme von KI auf alles Kreative bezweifle ich allerdings, dass das realistisch ist. Die Welt dreht sich immer schneller und lauter – da muss man sich fragen, ob man das zeitlich, mental und physisch mitmachen kann und will.
Nach dem vollgepackten Jahr 2024 habe ich mehrere Gänge runtergeschaltet und die oberste Priorität auf meine Gesundheit und Zufriedenheit mit meinem Leben insgesamt gelegt. Solange ich noch interessante Schreibprojekte habe, werde ich weiterschreiben, aber nicht mit Blick auf eine hauptberufliche Ausweitung, sondern auf eine gesunde Mischung mit anderen kreativen Tätigkeiten, die meinem Leben Sinn geben.

Ich: Dass KI die Buchwelt im negativen Sinn übernimmt, sorgt uns Autoren alle. Deinen Umgang mit dieser Unsicherheit für die Zukunft finde ich perfekt. Was war eine Begegnung, die privat oder beruflich viel für dich geändert hat?
Birgit: Meine Stelle in Irland, wo ich meinen späteren Mann kennengelernt habe. Das hat sowohl privat wie auch beruflich einiges durcheinandergewirbelt.

Ich: Welches Thema/Geschehen wird nie in einem deiner Geschichten vorkommen?
Birgit: Sex, Romance und Metzeleien – das überlasse ich anderen, die das besser schreiben als ich.

Ich: Was soll für dich in jedem Roman unbedingt vorkommen?
Birgit: Akkurate historische Recherche.

Ich: Stimmt, Recherche schadet auch in zeitgenössischen Romanen bei gewissen Themen nicht. Welches Genre liest du denn, wenn dich gar nichts anderes anspricht?
Birgit: Sachbücher passen immer.

Ich: Diesbezüglichen haben wir wohl nicht viel gemeinsam. 😉 Welchen Moment würdest du gern noch einmal erleben?
Birgit: Darf es ein langer Moment sein? Die drei Jahre meiner Promotion waren eine wunderbare Zeit.

Ich: Welche Entscheidung würdest du am liebsten nachträglich ändern?
Birgit: Schwer zu sagen. Ich liebe meine geisteswissenschaftliche Ausbildung, aber rückblickend wäre ich besser in der Informatik geblieben anstatt wieder in die Wortwirtschaft zurückzuwechseln.

Ich: Was möchtest du unbedingt noch lernen (egal, ob es mit dem Schreiben zu tun hat oder nicht)?
Birgit: Ich möchte das Gilgamesch-Epos, die älteste schriftlich festgehaltene Erzählung der Menschheit, im Original lesen.

Ich: Oh, das ist ein wirklich großes Ziel. Ich hoffe, dass du es erreichst. Welchen Tipp möchtest du angehenden Autoren mitgeben?
Birgit: Nicht verrückt machen lassen von dem ganzen Werbegeschrei da draußen, was man alles machen muss und soll, sondern seinen eigenen Weg finden und diesen selbstbewusst verfolgen.

Ich: Zum Abschluss habe ich noch eine letzte Frage an dich. Verrätst du uns deinen ultimativen Werbemaßnahmentrick?
Birgit: Haha, wenn ich den hätte, säßen wir jetzt nicht bei Dir zum Frühstück, sondern in einem schicken Restaurant zum ausgiebigen Brunch.

Danke an Birgit für die Zeit, die sie sich für meine Fragen genommen hat. Es war eine Freude, sie hier bei mir zu Besuch zu haben. Bevor sie wieder aufgebrochen ist, habe wir die übrigen Knusperbrötchen genossen. Ich freue mich, dass ich ihr noch einmal persönlich gegenübersitzen durfte. Aber bei den monatlichen Onlinetreffen der „Sisters through time“ erhalten wir zum Glück bald wieder die Gelegenheit, miteinander zu plaudern.

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